Geheimnisvoller Hof unter der Laserzwand

Drohend halten die Lienzer Dolomitten ihre gewaltigen steinernen Häupter über den Kreuthof, der ihnen seit Jahrhunderten trozt.

 

Sechs Wochen lang verweigerten sie ihm die Sonne und umhüllten das Gehöft mit Schatten, Kälte und Einsamkeit.

 

Heute führt eine gute Straße hinauf und leicht ist es, der Stille

zu entfliehen. Aber nicht immer war es so; die Besitzer in früheren Zeiten mussten an langen dunklen Abenden daheim in der Stube bleiben, während Wind und Sturm an die Fenster klopften. Den die Wege waren verschneit und kaum begehbar.


 

Da geschah es, dass einer aufschrak, einen Ruf vernahm, bleich wurde und flüsterte: "Der Kreut-Mattl!"

Und alle lauschten hinaus, aber da war nichts als das Ächzen der Baumkronen und das leise Grollen des Berges. "Vater was ist mit dem?" fragten die Kinder, und der alte Bauer erzählte, während sein dichter Bart im Kienspanlicht rötlich schimmerte:

 

"Der Kreut-Mattl war ein Dieb und ein schlechter Mensch, seine Finger langten nach fremden Eigentum. Ein Mönch vom Franziskanerkloster aus Innichen verbannte ihn eines Tages mit folgenden Worten dorthin

 

Wo ka Mahder maht,

wo ka Handl kraht,

Wo ka Blüaml blüaht,

wo ka Viech grast.

Wo ka christliche Seel´hinkommt.

 

Er hat noch keine Ruhe gefunden und sein Geist irrt im Walde umher. In Nächten wie dieser, hört man ihn manchmal rufen und klagen, und fromme Pilger, die über den Berg nach Lavant gehen, fürchten sich vor ihm."